Zugpferd der Branche

Digitalisierung in der Prozessindustrie

Datengestützte Technologien können die chemische Industrie nicht nur dabei unterstützen, effizienter zu wirtschaften, sie fördern auch umweltfreundliche Produktionsmethoden und die Kreislaufwirtschaft. Eine Schlüsseltechnologie stellt hier der digitale Zwilling dar.

Prozessinformationen aufschließen
Mit der horizontalen Supply Chain, die vom Rohstofflieferanten über die Produktion bis zum Anwender reicht, sowie dem vertikalen Produkt- und Anlagenlebenszyklus von der Produktentwicklung über die Verfahrensentwicklung, das Engineering und den Bau bis zum Betrieb der Anlagen verzahnen sich in der Prozessindustrie zwei Wertschöpfungsprozesse. Ausschlaggebend für die Effizienz der Teilprozesse wie auch des Gesamtsystems der Produktion ist immer dringender die übergreifende Verfügbarkeit von Informationen: Unternehmen brauchen Daten, um ihre Prozesse tiefgehender zu verstehen, maßgeblich zu optimieren und leistungsfähiger zu gestalten. Weil relevante Prozessinformationen jedoch oft noch in Fertigungssystemen verschlossen sind, kommt der Digitalisierung der Produktion eine besondere Bedeutung zu. Um das entsprechende Potenzial zu heben, stehen zum einen intelligente Mess- und Sensortechnik für die Überwachung des Anlagenzustandes, die Früherkennung nicht gewünschter Betriebszustände und die bedarfsgerechte Wartung in den Startlöchern, zum anderen auch Methoden der Prozesssimulation und -optimierung zur Verbesserung von Anlagendesign und -betrieb sowie Ressourcennutzung. Als durchgängige Informationsmodelle von Prozessen und Anlagen kommen digitale Zwillinge für das Informationsmanagement hinzu.
Im Kontext sinkender Produktionslose, schwankender Absatzmengen sowie sich regional verschiebender Absatzmärkte müssen Produktionsprozesse vor allem auch skalierbar, kompatibel, agil und möglichst universell sein. Die damit geforderte Wandlungsfähigkeit kann die Produktion via Modularität erreichen. Erforderlich sind offene, einheitliche Schnittstellen, mit denen sich Digitalisierung – auch zwischen Systemen unterschiedlicher Provenienz – vorantreiben lässt, zumal so die Fehlerquote beim Engineering gesenkt und die Anlagenverfügbarkeit erhöht werden kann. Die Standardisierung von Schnittstellen, aber auch von Komponenten und Dokumenten für die Automatisierung von Maschinen und Anlagen führt damit zu mehr Effizienz und sinkenden Kosten. Gleichzeitig kann die Prozessindustrie von digitaler Datensammlung und Cloudtechnologien profitieren. So lässt sich zum Beispiel durch die Analyse der Zustandswerte von Maschinen und Anlagen frühzeitig ein etwaiger Wartungsbedarf erkennen und angehen. Aus einer ganzen Reihe weiterer Digitalisierungsansätze sei zuletzt nur der standortunabhängige Zugriff auf Fertigungsmittel in Echtzeit zum Zweck der Prozessoptimierung genannt.

Digitalisierung in der Prozessindustrie ist der Schwerpunkt des vorliegenden Heftes. Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Michael Hobohm
Chefredakteur

Digital Process Industry 05/2023

Themenhighlights

Digitaler Zwilling
Datengetrieben zu einer nachhaltigeren Chemieindustrie

RFID-Technologie
Zugangskontrolle zu industriellen Maschinen

Manufacturing Execution System
Lebensmittel verantwortungsvoll verarbeiten

Scroll to Top