Nachhaltigkeit mit ERP-Systemen voranbringen

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Die Herausforderungen an Nachhaltigkeit steigen mit CSRD-Vorgaben und digitalen Produktpässen in den nächsten Jahren weiter an. Zentrale ERP-Systeme können als Knotenpunkt zwischen Fachbereichen und Prozessen die Nachhaltigkeitsstrategie voranbringen. Daneben tragen sie zur Erfüllung von Dokumentations- und Reportingpflichten bei.

Im letzten Jahr waren die Sorge vor Versorgungsengpässen und immer höhere Energiepreise für viele Unternehmen eine starke Motivation, bestehende Versorgungsstrategien zu hinterfragen. Auch jenseits des Kostendrucks müssen sich jetzt selbst kleine und mittelständische Unternehmen damit auseinandersetzen, mehr Transparenz über ihre Energieverbräuche zu gewinnen. Verlässliche Zahlen sind eine wesentliche Basis für Optimierungsstrategien. Hinzu kommt, dass die Bewertung der Nachhaltigkeit von Unternehmen künftig ganz anders erfolgt. Die EU verpflichtet ab 2026 auch Mittelständler ab 250 Mitarbeitenden mit neuen Regularien wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.

Wasserstoff kommt ins Spiel

Bereits jetzt ist am Beispiel des Lieferkettengesetzes zu sehen, das OEM unter anderem in der Autoindustrie die Einhaltung dieser Standards zeitnah in ihre Lieferantenbewertung aufnehmen. Compliance- und Reportingfähigkeit in Sachen Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Auftraggeber und Kunden werden in vielen Branchen ein höheres Maß an Nachhaltigkeitszertifizierung erwarten – auch sie müssen ihre CO2-Bilanz optimieren. Die Vorbereitung auf diese Herausforderungen sollte jetzt beginnen.

Für viele Unternehmen wird zudem das Tracken und Erfassen von grünem, blauem oder grauem Wasserstoff in nächster Zeit ein wichtiges Thema: Hier müssen Fragen zu Herkunft und Lieferanten des Wasserstoffs beantwortet und in der Bilanzierung nachgewiesen werden können. Schon jetzt zeichnen sich entsprechende Vorgaben bei der Definition kommender digitaler Produktpässe ab. Als probates Mittel könnte sich hier der digitale Zwilling erweisen, in den über Sensorik und IoT-Monitoring die Verbräuche und Verläufe einfließen. Über das ERP-System kann der digitale Zwilling auf der Prozessebene mit verschiedenen Unternehmensbereichen interagieren.

IoT und KI im Zusammenspiel mit dem ERP

In den ersten Schritten sollte es darum gehen, Einsparungspotenziale zum Beispiel aus Sensoren abzuleiten, mit denen die Informationen zu prozessbedingten Betriebsmitteln wie Wasser oder Energie nachgehalten, analysiert und getrackt werden. Für diese Aufgaben kommen IoT-Technologie und künstliche Intelligenz ins Spiel. Cloudplattformen rücken dabei künftig als zentraler Datenhub weiter in den Vordergrund. Sie bilden die Grundlage, um bestehende Systeme anzudocken und deren Daten zentral auf der Plattform zu nutzen. Sie wird als Datendrehscheibe zur „Single source of truth“, die alle Systeme mit korrekten Daten versorgt und durchgängige, einheitliche Kennzahlen über alle Abteilungen hinweg ermöglicht.

Sensorik und smart Assets, die Daten in die Unternehmenssysteme liefern, sind ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Das gilt einerseits für die Verbrauchsmessung von Ressourcen wie Energie, Wasser oder Druckluft, andererseits für den Verbrauch von Materialien oder den Schutz zum Beispiel vor Leckagen. Ein Smart Flange detektiert und meldet beispielsweise sofort das ansonsten unbemerkte Austreten von Schadstoffen, die Umweltschäden nach sich ziehen können und später aufwendig zu beseitigen wären.

Produktionsplanung und Energiemanagement verbinden

Datenanalytik und KI gewinnen auch im Nachhaltigkeitskontext weiter an Bedeutung. Cloudplattformen wie „Microsoft Azure IoT“ stellen zum einen bereits viele einfach adaptierbare Cognitive Services bereit. Andererseits eignen sie sich zur Anbindung von KI-Technologien an die ERP-Prozesse. Ein Dienst wie „Azure Synapse“ hilft beim Managen und Verbinden von Datenquellen und -infrastrukturen. Meist werden Messaufgaben über IoT-Sensorik erledigt, die Sensordaten müssen dann gemäß Messzyklen und Zeitstempeln weiterverarbeitet, aggregiert und an die passende Stelle im Prozess geliefert werden. Im Anschluss lassen sich etwa Daten zu den Füllständen von Speichern oder der erzeugten Energie aus Photovoltaik erheben und für andere Applikationen verfügbar machen.

So entsteht Input, um mit intelligenten Algorithmen, die etwa Wetterdaten einbeziehen, Vorhersagen zu treffen. Daraus werden Empfehlungen für das ERP abgeleitet, wie eine Produktionsplanung aus Energiegesichtspunkten optimiert werden könnte. Besonders energieintensive Prozess könnten dann zum Beispiel eingeplant werden, wenn viel günstige Solarenergie verfügbar ist. Zwar greifen hier viele andere Faktoren wie die Beschaffungsplanung, Materialbereitstellung und Liefertermintreue, dennoch ist meist noch Luft für eine angepasste Feinplanung. In Simulationsmodellen ließen sich Einsparpotenziale oder Veränderungen im Energiemix erkunden.

Instandhaltung und ERP

Ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist zudem die Möglichkeit, Instandhaltungsmanagement und ERP-System zu integrieren. Diese Verbindung ist bisher keine Selbstverständlichkeit. Doch je enger die Verzahnung ist, desto geschlossener lässt sich der Kreislauf mit Blick auf Predictive Maintenance und die Dokumentation gestalten. Cosmo Consult setzt dabei mit Partner Dynaway auf ein in das ERP-System „Microsoft Business Central“ integriertes Enterprise Asset Management.

In der klassischen Instandhaltung mit festen Intervallen erfolgen regelmäßig der Austausch und die Entsorgung von Teilen, obwohl sie noch nicht am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sein müssen. Nachhaltigkeit bedeutet jedoch, alle Ressourcen so lange wie möglich zu nutzen. Mit der Einbeziehung von Sensorik und IoT-Technologie verändert sich die Maintenance-Strategie. Durch das Monitoring werden beispielsweise Flanschverbindungen oder Wärmetauscher überwacht. Teile und Materialien können so in der Praxis im Vergleich zu den angenommenen Nutzungszeiträumen oft mindestens doppelt so lange halten. Erst, wenn die Werte im Monitoring nicht mehr erfüllt werden, erfolgt ein Austausch. Predictive Maintenance verhindert zudem Verschwendung, weil Chargen durch unentdeckte Fehler in den Anlagen sonst häufig unbrauchbar werden. Gerade im Bereich Food and Beverage sind die Vorgaben für die Dokumentation von Instandhaltungsarbeiten besonders streng. Auch hier hilft die Integration des Enterprise Assset Management Systems ins ERP-System.

Weitere Hebel für Nachhaltigkeit

Ein Dauerbrenner ist zudem das Einsparen von Papier oder Verpackungsmaterial. Hier kann die Digitalisierung nicht nur einen Beitrag gegen Papierverschwendung leisten, sondern auch zur Fehlervermeidung beitragen. Viele Prozesse lassen sich mit kleinen Apps verschlanken, mit denen die manuelle Mehrfacherfassung von Informationen abgeschafft wird. Mit Low-Code-/No-Code-Entwicklungswerkzeugen wie der „Microsoft Power Platform“ lassen sich mit wenig Aufwand bei geringen Kosten Prozesslücken schließen und eigene Apps entwickeln. Auch der Fokus auf den Logistikbereich mit der Fahrtenoptimierung lohnt sich ebenso wie ein Schwerpunkt auf mehr Regionalität in der Lieferkette.

Autor: Thomas Müller, Consultant und Prozessindustrieexperte bei Cosmo Consult TIC.

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